Volk in Bewegung
Der Hase und der Igel PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Admin   
Mittwoch, den 02. Mai 2012 um 16:00 Uhr

Der Hase und der Igel

die Deutung zu dem Märchen von Manfred Roeder

Diese Geschichte ist eigentlich gelogen, Kinder aber wahr ist sie doch, denn mein Großvater, von dem ich sie habe, pflegte immer, wenn er sie erzählte, zu sagen: "Wahr muß sie sein, mein Sohn, sonst könnte man sie ja nicht erzählen."

Die Geschichte aber hat sich so zugetragen.
Es war an einem Sonntagmorgen im Herbst, gerade als der Buchweizen blühte; die Sonne war am Himmel aufgegangen, und der Wind strich warm über die Stoppeln, die Lerchen sangen hoch in der Luft, und die Bienen summten im Buchweizen. Die Leute gingen in ihrem Sonntagsstaat zur Kirche, und alle Geschöpfe waren vergnügt, auch der Igel.

Er stand vor seiner Tür, hatte die Arme verschränkt, er guckte in den Morgenwind hinaus und trällerte ein kleines Liedchen vor sich hin, so gut und so schlecht wie am Sonntagmorgen ein Igel eben zu singen pflegt.

Während er nun so vor sich hinsang, fiel ihm plötzlich ein, er könnte doch, während seine Frau die Kinder wusch und ankleidete, ein bißchen im Feld spazieren gehen und nachsehen, wie die Steckrüben standen. Die Steckrüben waren ganz nah bei seinem Haus, und er pflegte sie mit seiner Familie zu essen, darum sah er sie auch als die seinigen an.

Gedacht, getan.

Er schloß die Haustür hintern sich und schlug den Weg zum Feld ein. Er war noch nicht sehr weit und wollte gerade um den Schlehenbusch herum, der vor dem Feld stand, als er den Hasen erblickte, der in ähnlichen Geschäften ausgegangen war, nämlich um seinen Kohl zu besehen. Als der Igel den Hasen sah, wünschte er ihm freundlich einen guten Morgen.

Der Hase aber, der auf seine Weise ein vornehmer Herr war und grausam hochfahrend noch dazu, antwortete gar nicht auf des Igels Gruß, sondern sagte mit höhnischer Miene: "Wie kommt es, daß du hier schon so am frühen Morgen im Feld herumläufst?"

"Ich gehe spazieren", sagte der Igel.
"Spazieren?" lachte der Hase. "Du könntest deine Beine schon zu besseren Dingen gebrauchen."

Diese Antwort verdroß den Igel sehr. Alles kann er vertragen, aber auf seine Beine läßt er nichts kommen, gerade weil sie von Natur aus krumm sind. "Du bildest dir wohl ein, du könntest mit deinen Beinen mehr ausrichten? sagte er.

"Das will ich meinen", sagte der Hase.

"Nun, das kommt auf einen Versuch an", meinte der Igel. "Ich wette, wenn wir um die Wette laufen, ich lauf schneller als du."

"Du - mit deinen krummen Beinen?" sagte der Hase. "Das ist ja zum Lachen. Aber wenn du so große Lust hast - was gilt die Wette?"

"Einen Golddukaten und eine Flasche Brandwein", sagte der Igel.

"Angenommen", sagte der Hase, "schlag ein, und dann kann es gleich losgehen."

"Nein, so große Eile hat es nicht", meinte der Igel, "ich hab' noch gar nichts gegessen; erst will ich nach Hause gehen und ein bißchen was frühstücken. In einer Stunde bin ich wieder hier". Damit ging er und der Hase war zufrieden.

Unterwegs aber dachte der Igel bei sich: "Der Hase verläßt sich auf seine langen Beine, aber ich will ihn schon kriegen. Er ist zwar ein vornehmer Herr, aber doch ein dummer Kerl, und das soll er bezahlen".

Als er nun nach Hause kam, sagte er zu seiner Frau: "Frau, zieh dich rasch an, du mußt mit mir ins Feld hinaus."

"Was gibt es denn?" fragte die Frau.

"Ich habe mit dem Hasen um einen golddukaten und eine Flasche Branntwein gewettet, daß ich mit ihm um die Wette laufen will. und da sollst du dabei sein."

"O mein Gott, Mann", begann die Frau loszuschreien, "hast du den Verstand verloren? Wie willst du mit dem Hasen um die Wette laufen?"

"Halt das Maul, Weib" sagte der Igel "das ist meine Sache. Misch dich nicht in Männergeschäfte! Marsch, zieh dich an und komm mit!"

Was sollte die Frau des Igels tun? Sie mußte gehorchen, ob sie wollte oder nicht. Als sie miteinander unterwegs waren, sprach der Igel zu seiner Frau: "Nun paß auf, was ich dir sage. Dort auf dem langen Acker will ich unseren Wettlauf machen. Der Hase läuft in einer Furche, und ich in der anderen, und dort oben fangen wir an.
Du hast nun weiter nichts zu tun, als daß du dich hier unten in die Furche stellst, und wenn der Hase in seiner Furche daherkommt, so rufst du ihm entgegen: 'Ich bin schon da!'"

So kamen sie zu dem Acker, der Igel wies seiner Frau ihren Platz an und ging den Acker hinauf. Als er oben ankam, wnar der Hase schon da. "Kann es losgehen?" fragte er.

"Jawohl", antwortete der Igel.

"Dann nur zu." Damit stellte sich jeder in seine Furche. Der Hase zählte: "Eins, zwei, drei", und los ging er wie ein Sturmwind den Acker herunter. Der Igel aber lief nur etwa drei Schritte, dann duckte er sich in die Furche hinein und blieb ruhig sitzen.

Und als der Hase im vollen Lauf unten am Acker ankam, rief ihm die Frau des Igels entgegen: "Ich bin schin da!"

Der Hase war nicht wenig erstaunt, glaubte er doch nichts anderes, als daß er den Igel selbst vor sich hatte. Bekanntlich sieht die Frau des Igels genauso aus wie ihr Mann.

"Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu", rief er. Noch einmal gelaufen, in die andere Richtung!"

Und fort ging es wieder wie der Sturmwind, daß ihm die Ohren am Kopf flogen. Die Frau des Igels aber blieb ruhig an ihrem Platz sitzen, und als der Hase oben ankam, rief ihm Herr Igel entgegen: "Ich bin schon da!"

Der Hase war ganz außer sich vor Ärger und schrie: "Noch einmal gelaufen, noch einmal herum!"

"Meinetwegen", gab der Igel zurück. "Sooft du Lust hast."

So lief der Hase dreiundsiebzigmal, und der Igel hielt immer mit. Und jedesmal wenn der Hase oben oder unten am Ziel ankam, sagten der Igel oder seine Frau: "Ich bin schon da."

Beim vierundsiebzigsten Mal aber kam der Hase nicht mehr ans Ziel. Mitten auf dem Acker fiel er zu Boden, das Blut floß ihm aus der Nase, und er blieb tot liegen. Der Igel aber nahm seinen gewonnenen Golddukaten und die Flasche Branntwein, rief seine Frau von ihrem Platz am Ende der Furche, und vergnügt gingen beide nach Hause.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute. So geschah es, daß auf der buxtehuder Heide der Igel den Hasen zu Tode gelaufen hatte, und seit jener Zeit hat kein Hase mehr gewagt, mit dem Buxtehuder Igel um die Wette zu laufen.

Die Lehre aus dieser Geschichte aber ist erstens, daß sich keiner, und wenn er sich noch so vornehm dünkt, einfallen lassen soll, sich über einen kleinen Mann lustig zu machen, und wäre es auch nur ein Igel. Und zweitens, daß es gut ist, wenn einer heiratet, daß er sich eine Frau von seinem Stand nimmt, die geradeso aussieht wie er.

Wer also ein Igel ist, der muß darauf sehen, daß auch seine Frau ein Igel ist und so weiter.

Die Deutung von Manfred Roeder:

Die Geschichte vom Wettlauf des ungleichen Paares ist so bekannt, daß wir sie wahrscheinlich nie mehr gelesen haben; wir kennen sie ja. Schade! Denn beim wiederholten Lesen unserer Sagen und Märchen geht einem jedesmal etwas Neues auf. Wußten Sie, daß es in buxtehude Platt ist? Damit wir unterstrichen, daß es um Bodenständigkeit geht, nicht um die Menschheit. Es geht um Bauernschläue und Stolz auf die eigene Art, nicht um Menschenrechte.

Diese Geschichte ist lügenhaft zu erzählen, aber wahr ist sie doch; anders kann man sie ja nicht erzählen! So ist das also mit all den lügenhaften Geschchten: sie müssen einfach wahr sein, weil man sie uns immer wieder erzählt!

So einfach ist das. Es findet der berühmte Wettlauf statt, zwischen Hase und Igel, vielmehr zwischen einem Hasen und zwei Igeln. Der Hase rennt los "wie ein Sturmwind", aber am anderen Ende steht immer schon ein igel und ruft: "Ich bin all hier!"

Wie sehr auch die Wahrheit mit unwiderlegbaren Tatsachen dahergeeilt kommt, die Lüge ist immer vor ihr da. Dreiundsiebzigmal rennt der Hase hin und her, dann fällt er tot um. Was nützen Ihm die langen Beine, wenn er so dumm ist, daß er nicht ein einziges Mal hinschaut, mit welch plumpen Tricks die Igel arbeiten, denn bekanntlich sieht dem Igel seine Frau so aus wie ihr Mann.

Der igel kümmert sich nicht um den toten Hasen, sondern geht vergnügt nach Hause. Was geht ihn der überhebliche Hase an, der vorher so geprahlt hat!

Nichts von Reue oder christlicher Nächstenliebe.

Nur die Erhaltung der eigenen Art, die Verteidigung des eigenen guten Namens ist wichtig! - Das Märchen schließt mit einer handfesten Gebrauchsanweisung:

Die Lehre aus dieser Geschichte aber ist erstens, daß sich keiner, und wenn er sich noch so vornehm dünkt, einfallen lassen soll, sich über einen kleinen Mann lustig zu machen, und wäre es auch nur ein Igel. Und zweitens, daß es gut ist, wenn einer heiratet, daß er sich eine Frau von seinem Stand nimmt, die geradeso aussieht wie er.

Wer also ein Igel ist, der muß darauf sehen, daß auch seine Frau ein Igel ist und so weiter.

So hat schon Tacitus die Germanen bewundert, weil die Frauen den Männern ebenbürtig waren an Aussehen, Gesundheit und Tapferkeit.

 
Rapunzel PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Admin   
Dienstag, den 01. Mai 2012 um 19:23 Uhr

Rapunzel

Es war einmal ein Mann und eine Frau, die wünschten sich schon lange vergeblich ein Kind, endlich machte sich die Frau Hoffnung, der liebe Gott werde ihren Wunsch erfüllen. Die Leute hatten in ihrem Hinterhaus ein kleines Fenster, daraus konnte man in einen prächtigen Garten sehen, der voll der schönsten Blumen und Kräuter war; er war aber von einer hohen Mauer umgeben, und niemand wagte hineinzugehen, weil er einer Zuberin gehörte, die große Macht hatte und von aller Welt gefürchtet war.

Eines Tages stand die Frau an diesem Fenster und sah in den Garten hinab, da erblickte sie ein Beet, daß mit den schönsten Rapunzeln bepflanzt war; und sie sahen so frisch und grün aus, daß sie lüstern ward und das größte Verlangen empfand, von den Rapunzeln zu essen. Das Verlangen nahm jeden Tag zu, und da sie wußte, daß sie keine davon bekommen konnte, so fiel sie ganz ab, sah blaß und elend aus.

Da erschrak der Mann und fragte: "Was fehlt dir, liebe Frau?"

"Ach," antwortete sie, "wenn ich keine Rapunzeln aus dem Garten hinter unserem Hause zu essen kriege, so sterbe ich." Der Mann, der sie lieb hatte, dachte: "Eh du deine Frau sterben läßt, holst du ihr von den Rapunzeln, mag es kosten, was es will."

In der Abenddämmerung stieg er also über die Mauer in den Garten der Zuberin, stach in aller Eile eine Handvoll Rapunzeln und brachte sie seiner Frau. Sie machte sich sogleich einen Salat daraus und aß sie in voller Begierde auf. Sie hatten ihr aber so gut geschmeckt, daß sie den anderen Tag noch dreimal soviel Lust bekam. Sollte sie Ruhe haben, so mußte der Mann noch einmal in den Garten steigen. Er machte sich in der Abenddämmerung wieder hinab, als er aber die Mauer herabgeklettert war, erschrak er gewaltig, denn er sah die Zauberin vor sich stehen.

"Wie kannst du es wagen," sprach sie mit zornigem Blick, "in meinen Garten zu steigen und wie ein Dieb mir meine Rapunzeln zu stehlen? Das soll dir schlecht bekommen"

"Ach," antwortete er laßt Gnade vor Recht ergehen, ich habe mich nur aus Not dazu entschlossen; meine Frau hat Eure Rapunzeln aus dem Fenster erblickt, und empfindet ein so großes Gelüsten, daß sie sterben würde, wenn sie nicht davon zu essen bekäme."

Da ließ die Zauberin in ihrem Zorne nach und sprach zu ihm: "Verhält es sich so, wie du sagst, so will ich dir gestatten, Rapunzeln mitzunehmen, soviel du willst, allein ich mache eine Bedingung: Du mußt mir das Kind geben, das deine Frau zur Welt bringen wird. Es soll ihm gut gehen, und ich will für es sorgen wie eine Mutter."

Der Mann sagte in der Angst alles zu, und als die Frau in die Wochen kam, so erschien sogleich die Zauberin, gab dem Kind den Namen Rapunzel und nahm es mit sich fort.

Rapunzel ward das schönste Kind unter der Sonne. Als es zwölf Jahre alt war, schloß es die Zauberin in einen Turm, der in einem Wald lag, und weder Treppe noch Türe hatte, nur ganz oben war ein kleines Fensterchen. Wenn die Zauberin hinein wollte, so stellte sie sich hin und rief:

"Rapunzel, Rapunzel, Laß dein Haar herunter."

Rapunzel hatte lange prächtige Haare, fein wie Gold. Wenn sie nun die Stimme der Zauberin vernahm, so band sie ihre Zöpfe los, wickele sie oben um einen Fensterhaken, und dann fielen die Haare zwanzig Ellen tief herunter, und die Zaubern, stieg daran hinauf.

Nach ein paar Jahren trug es sich zu, daß der Sohn des Königs durch den Wald ritt und an dem Turm vorrüberkam. Da hörte er einen Gesang, der war so lieblich, daß er still hielt und horchte. Das war Rapunzel, die in ihrer Einsamkeit sich die Zeit vertrieb, ihre süße Stimme erschallen zu lassen. Der Königssohn wollte zu ihr hinaufsteigen und suchte nach einer Türe des Turms, aber es war keine zu finden. Er ritt heim, doch der Gesang hatte ihm so sehr das Herz gerührt, daß er jeden Tag  hinaus in den Wald ging und zuhörte. Als er einmal so hinter einem Baum stand, sah er, daß die Zauberin herankam, und hörte, wie sie rief:

"Rapunzel, Rapunzel, Laß dein Haar herunter."

Da ließ Rapunzel die Haarflechten herab, und die Zauberin stieg zu ihr hinauf. "Ist das die Leiter, auf welcher man hinaufkommt, so will ich auch mein Glück versuchen." Dachte er bei sich, und den folgenden Tag, als es anfing dunkel zu werden, ging er zu dem Turme und rief:

"Rapunzel, Rapunzel, Laß dein Haar herunter."

Alsbald fielendie Haare herab, und der Königssohn stieg zu ihr hinauf.

Anfangs erschrak Rapunzel gewaltig, als ein Mann zu ihr hereinkam, wie ihre Augen noch nie einen erblickt hatten, doch der Königssohn fing an ganz freundlich mit ihr zu reden und erzähle ihr, daß von ihrem Gesang sein Herz so sehr bewegt worden sei, daß es ihm keine Ruhe gelassen und er sie selbst habe sehen müßen. Da verlor Rapunzel ihre Angst, und als er sie fragte, ob sie ihn zum Mann nehmen wollte, und sie sah, daß er jung und schön war, so dachte sie: "Der wird mich lieber haben als die alte Frau Gothel," und sagte ja, und legte ihre Hand in seine Hand.

Sie sprach: " Ich will gerne mit dir gehen, aber ich weiß nicht, wie ich herabkommen kann. Wenn du kommst, so bringe jedesmal einen Strang Seide mit, daraus will ich eine Leiter flechten, und wenn die fertig ist, so steige ich herunter und du nimmst mich auf dein Pferd."

Sie verabredeten, daß er bis dahin alle Abend zu ihr kommen sollte, denn bei Tag kam die Alte. Die Zauberin merkte auch nichts davn, bis einmal Rapunzel anfing und zu ihr sagte: "Sag Sie mir doch, Frau Gothel, wie kommt es nur, sie wird mir viel schwerer heraufzuziehen als der junge Königssohn, der ist in einem Augenblick bei mir."

"Ach du gottloses Kind," rief die Zauberin, "was muß ich von dir hören, ich dachte, ich hätte dich von aller Welt geschieden, und du hast mich doch betrogen!"

In ihrem Zorne packte sie die schönen Haare der Rapunzel, schlug sie ein paarmal um die linke Hand, griff eine Schere mit der rechten, und ritsch, ratsch waren sie abgeschnitten, und die schönen Flechten lagen auf der Erde. Und sie war so unbarmherzig, daß sie die arme Rapunzel in eine Wüstenei brachte, wo sie in großem Jammer und Elend leben mußte.

Denselben Tag aber, wo sie Rapunzel verstoßen hatte, machte abends die Zauberin die abgeschnittenen Flechten oben am Fensterhaken fest, und als der Königssohn kam und rief:

"Rapunzel, Rapunzel, Laß dein Haar herunter."

so ließ sie die Haare hinab. Der Königssohn stieg hinauf, aber er fand oben nicht seine liebste Rapunzel, sondern die Zauberin, die ihn mit bösen und giftigen Blicken ansah. "Aha," rief sie höhnisch, "du willst die Frau Liebste holen, aber der schöne Vogel sitzt nicht mehr im Nest und singt nicht meht, die Katze hat ihn geholt und wird dir auch noch die Augen auskratzen. Für dich ist Rapunzel verloren, du wirst sie nie wieder erblicken."

Der Königssohn geriet außer sich vor Schmerzen und in der Verzweiflung sprang er den Turm herab: das Leben brachte er davon, aber die Dornen, in die er fiel, zerstachen ihm die Augen. Da irrte er blind im Walde umher, aß nichts als Wurzeln und Beeren, und tat nichts als jammern und weinen, über den Verlust seiner liebsten Frau. So wanderte er einige Jahre im Elend umher, und geriet endlich in die Wüstenei, wo Rapunzel mit den Zwillingen, die sie geboren hatte, einen Knaben und ein Mädchen, kümmerlich lebte. Er vernahm eine Stimme, und sie deuchte ihm so bekannt; da ging er darauf zu, und wie er herankam, erkannte ihn Rapunzel und fiel ihm um den Hals und weinte.

Zwei von ihren Tränen aber benetzten seine Augen, da wurden sie wieder klar, und er konnte damit sehen wie sonnst. Er führte sie in sein Reich, wo er mit Freude empfangen wurde, und sie lebten noch lange glücklich und vergnügt.


Die Deutung zu dem Märchen von Manfred Roeder


Es ist die Geschichte von der Urkraft des Lebens, das über Hoffnungslosigkeit und Gefahren triumphiert. Ein Mann und eine Frau hatten sich lange vergeblich ein Kind gewünscht. Als es sich schließlich ankündigt, soll es ihnen von der Zauberin genommen werden.

Wer ist diese Zauberin? Sie hat einen prächtigen Garten voll der schönsten Blumen und Kräuter, sie hat große Macht und ward von aller Welt gefürchtet. Sie hilft wohl der Frau in ihrem beschwerlichen Zustand, läßt sie von den köstlichen Rapunzeln essen, nach denen sie so verlangt, aber dafür nimmt sie das Kind. "Es soll ihm gut gehen, ich will für es sorgen wie eine Mutter." Aber mit 12 Jahren sperrt sie Rapunzel, das schönste Mädchen unter der Sonne, in einen Turm, der in einem Walde lag und weder Treppe noch Tür hatte.

Jahrhunderte lang nahm so die Kirche die Kinder und sperrte sie in Klöster, daß ihre Lebenskraft verwelkte. Doch selbst aus der triefsten Einsamkeit und durch die dicksten Mauern drang noch der Ruf des Lebens nach außen. Der Sohn des Königs hörte die süße Stimme und sah die prächtigen Haare von Rapunzel, die wie fein gesponnen Gold zwanzig Ellen tief vom Turm herabhingen.

Diese wenigen Anzeichen genügen, um eine Leidenschaft in ihm zu entfachen, mit der er alle Mauern überwindet. Zunächst ist Rapunzel erschrocken über den stürmischen Liebhaber, doch dann siegt das Leben ("Der wird mich lieber haben als die alte Frau") und sie planden die Flucht. E€s erinnert an die Entführung der Nonnen durch Martin Luther. Als die Zauberin von dem Verhältnis erfährt, ruft sie: "Ach du gottloses Kind! Ich dachte, ich hätte dich von aller Welt geschieden, und du hast mich doch betrogen."

Jahrhunderte lang wurde gepredigt: Sehnsucht nach Leben und Liebe ist "gottlos", "sich von der Welt scheinden" höchste Tugend. Rapunzel wird in die fernste Einöde verbannt, der Königssohn irrt blind vor Gram durch die Welt. Aber das Leben ist stärker als alle Dogmen und Bannflüche. Rapunzel hat Zwillinge zur Welt gebracht, um das verlorene Leben wieder einzuholen und der Königssohn findet sie wieder, um sie in "sein Reich" zu hohlen, in dem sie lange und vergnügt leben.

Heute wird die Lebenskraft unseres Volkes nicht durch Klöster stranguliert, sondern durch Pille und Abtreibung. Aber so wie das Leben stärker war als mittelalterlicher Aberglaube, Klöster und Hexenverfolgung, so wird es auch über den modernen Aberglauben von Wohlstand und Bequemlichkeit und über alle Todesstatistiken triumphieren.

Wie die Statistiker uns sagen,
so stirbt das deutsche Volk bals aus:
statt sich mit Kindern abzuplagen,
schwelgt unser Volk in Saus und Braus.
Doch hat man das Leben fast abgeschafft,
dann bricht es hervor mit doppelter Kraft!

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 16. Mai 2012 um 22:22 Uhr
 
Der Rattenfänger zu Hameln PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Admin   
Dienstag, den 01. Mai 2012 um 18:36 Uhr

Der Rattenfänger zu Hameln

Im Jahre 1284 ließ sich zu Hameln ein sonderbarer Mann sehen. Er trug einen Rock von vielfarbigem bunten Tuch, weswegen er Bundting geheißen haben soll, und gab sich für einen Rattenfänger aus. Er versprach für einen bestimmten Lohn die Stadt von allen Ratten und Mäusen zu befreien. Die Bürger wurden mit ihm einig und sicherten ihm den verlangten Betrag zu.

Der Rattenfänger zog demnach ein Pfeifchen aus der Tasche und begann eine eigenartige Weise zu pfeifen. Da kamen sogleich die Ratten und Mäuse aus allen Häusern hervorgekrochen und sammelten sich um ihn herum. Sobald der Fänger glaubte, es sei keines der Tiere mehr zurückgeblieben, schritt dieser langsam zum Stadttor hinaus, und der ganze Haufen folgte ihm bis an die Spitze der Weser. Dort stürzte der Mann seine Kleider, stieg in den Fluß, und alle Mager sprangen hinter ihm her und ertranken.

Nachdem die Bürger aber von ihrer Plage befreit waren, reute sie der versprochene Lohn, und sie verweigerten dem Mann die Auszahlung unter allerlei Ausflüchten, so daß er sich schließlich zornig und erbittert entfernte. Am 24. Juni, am Tage Johannes des Täufers, morgens früh um sieben Uhr erschien er wieder diesmal in Form eines Jägers, mit finsterem Blick, einem roten Hut auf dem kopf. wortlos zog er ein zweites Mal seine Pfeife und begann erneut zu spielen. In aller Eile kamen diesmal nicht die Ratten und Mäuse, sondern Kinder, Knaben und Mädchen, vom vierten Lebensjahr angefangen, in großer Zahl dahergelaufen. Darunter auch die schon erwachsene Tochter des Bürgermeisters.

Der ganze Schwarm zog hinter dem Mann her, und er führte sie vor die Stadt zu einem Berg hinaus,wo er mit der ganzen Schar verschwand. Diese hatte ein Kindermädchen gesehen, das mit einem Kind auf dem Arm weit rückwärts nachgegangen war, dann aber umkehrte, und die Kunde in die Stadt brachte.

Die Eltern liefen sogleich haufenweise vor alle Tore, und suchten jammernd ihre Kinder. Besonders die Mütter klagten und weinten herzzerreißend. ungesäumt wurden Boten zu Wasser und zu Land an alle Orte umher geschickt, die nachforschen sollten, ob man die Kinder oder auch nur einige von ihnen irgendwo gesehen habe; aber alles Suchen blieb vergebens.

Hundertdreißig Kinder gingen damals verlohren. Zwei sollen sich, wie man erzählt, verspätet haben und zurückgekommen sein, wovon aber das eine blind, das andere taubstumm war. Das blinde konnte den Ort nicht zeigen, wo es sich aufgehalten hatte, wohl aber erzählen, wie es dem Spielmann gefolgt war, das taubstumme nur den Ort weisen, da es nichts gehört hatte, und auch nicht sprechen konnte.

Ein kleiner Knabe war im Hemd mitgelaufen und nach einiger Zeit umgekehrt, um seinen Rock zu holen, wodurch er dem Unglück entgangen war; denn als er zurückkam, waren die anderen schon in der Senkung des Hügels verschwunden.

Die Straße, auf der die Kinder zum Tor hinausgezogen waren, hieß später die bungelose (trommeltonlose, stille), weil kein Tanz darin abgehalten und kein Saitenspiel gerührt werden durfte. Ja, wenn eine Braut mit Musik zur Kirche geführt wurde, mußten die Spielleute in dieser Gasse ihr Spiel unterbrechen. Der Berg bei Hameln, wo die Kinder verschwanden, heißt Poppenberg. Dort sind links und rechts zwei Steine in Kreuzform zur Erinnerung an dies traurige und seltene Ereignis errichtet.

Die Bürger von Hameln haben diese Begebenheit in ihrem Stadtbuch verzeichnen lasse. Im Jahre 1572 ließ der Bürgermeister die Geschichte auf den Kirchenfenstern abbilden.

die Deutung zu dem Märchen von Manfred Roeder


Eigentlich ist es eine Sage, weil an einen genauen Historischen Vorgang angeknüßft wird: den Auszug von 130 Kindern aus Hameln am 26. Juni 1248 - vor 700 Jahren. Aber die Deutungen über dieses Ereignis, und ob es überhaußt stattgefunden oder etwas ganz anderes zu bedeuten hat, sind so vielschichtig, daß es ins Märchenhafte gleitet.

Ein Rattenfänger gilt allgemein als Zauberer, Verführer, Bösewicht. Doch das Spiel, das jedes Jahr in Hameln sonntags im Sommer auf dem Markt aufgeführt wird, zeigt ihn ganz anders. Die Stadt ist in höchster Not. Ratten und Mäuse fressen alles auf, eine Hungersnot bricht aus, niemand kann die Zerstärung aufhalten, weder die hohen Herren mit ihrer Macht, noch die geistlichen Herren mit ihren Gebeten. Da erscheint ein wunderlicher Mann und verspricht Abhilfe. Ja, ja, alles soll er haben, sogar des Bürgermeisters Töchterlein, wenn er nur Rettung bringt. Er verlangt aber nur bescheidene 100 Taler. Und siehe da, mit seinem Flötenspiel vertreibt er die Plagegeister. Anscheinend kommt es immer nur auf den rechten Mann zur rechten Zeit mir dem rechten Ton an. Einfach und doch unerklärlich. Die Stadt atmet auf, aber sofort ist alle Dankbarkeit vergessen. Was, soviel Geld für ein bißchen Marschieren mir Musik? Kommt überhaupt nicht in Frage! Und einem Hergelaufenen des Bürgermeisters Tochter? Nie! Im Gegenteil: Der Fremde gehört gehenkt, denn er steht mit dem Bösen im Bunde, sonst hätte er das nicht gekonnt. Er hat weder Weihrauch geschwenkt noch Gebete gemurmelt, ist also gar kein Christ! Hinweg mit ihm! Nur mir knapper Not entgeht der Wundermann dem Galgen.

Doch er kommt wieder, als alle in der Kirche versammelt sind und Gott danken für die Errettung, aber nicht dem, der sie vollbracht hat. Und während die Undankbaren und Wortbrüchigen fromme Lieder singen, bläst der Rattenfänger abermals seine Zauberflöte, und diesmal folgen ihm alle Kinder - bis auf ein blindes und ein stummes. Alles anderen entführt er den Eltern, die nicht wert sind, Kinder zu erziehen. Man sagt, die Kinder seien im fremden Transsilvanien wieder aufgetaucht und hätten dort eine bessere und gerechtere Gemeinschaft aufgebaut.

Selbsternannte Tugendwächter helfen da nicht mehr,
wenn das Volk in seiner Not versinkt!
Wenn die Korruption zum Himmel stinkt,
müssen andre, ungewohnte Mittel her!
Doch wo Undank ist, der edlen Taten Lohn,
läuft euch mit der Tugend auch die Jugend noch davon!

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 06. Mai 2012 um 16:54 Uhr
 
Der Kampf um Norddeutschland PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Moderator   
Donnerstag, den 19. Januar 2012 um 19:36 Uhr

Der Kampf um Norddeutschland
Das bittere Ende zwischen Weser und Elbe 1945

Ulrich Saft

704 Seiten,  570 Bilder und militärische Lageskizzen, Festeinband, 39,80 Euro

Kurzbeschreibung:
Am 5. und 6. April 1945 setzten Einheiten der 9. amerikanischen und der 2. britischen Armee südlich von Hameln und nördlich von Minden über die Weser. Den insgesamt 20 feindlichen, voll ausgerüsteten und kriegserfahrenen Divisionen mit schier unbegrenzter Luftwaffenunterstützung, die in schnellen Vorstößen - aus dem Ruhrgebiet kommend - die Weser in Niedersachsen erreicht hatten, stand auf deutscher Seite das letzte Aufgebot gegenüber. Den zusammengewürfelten deutschen Einheiten aus Splittergruppen ehemaliger Divisionen, aus den Trossen der eingeschlossenen Heeresgruppe B sowie aus Alarm- und Ersatzeinheiten von Wehrmacht, Waffen-SS und Reichsarbeitsdienst fehlten schwere Waffen, Treibstoff und eine einheitliche operative Planung.

Trotzdem führten die hoffnungslos unterlegenen deutschen Verbände einen verzweifelt-harten und tapferen Abwehrkampf zur Verteidigung Norddeutschlands, um den Durchmarsch der westalliierten Truppen zur Ostsee und Elbe zu verzögern. Das militärische Ziel war, den Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten den Landweg für ihre Flucht nach Westen möglichst lange offenzuhalten. Als am 3. Mai 1945 in Norddeutschland die Waffen schwiegen, waren zwischen Weser und Elbe etwa 5000 aufopfernd kämpfende deutsche Soldaten gefallen. Mehr als eine Millionen Flüchtlinge konnten in diesen wenigen Wochen dem Zugriff der Sowjet-Armee entkommen.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 19. Januar 2012 um 19:39 Uhr
 
Irrsinn: Nationale Christen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Admin   
Samstag, den 20. August 2011 um 15:34 Uhr



Irrsinn: Nationale Christen

Tiefenlotung zum Krankheitsbild der Zeit
Eine Auseinandersetzung mit den furchtbaren Verirrungen durch das Christentum

von Dietrich Schuler


Diese furchtbare Verirrung hat erst das Christentum in die Welt gebracht, daß nämlich Krankheit, Armut und Mittellosigkeit ansich schon ein moralisches Gütesiegel darstellen, daneben zeichnet sich der christliche Gutmensch durch devotes kämpferisches Wesen aus und dadurch, daß er dem Übel nicht widersteht.er ganze Niedergang, die offenkundige Tragödie Europas haben hier ihren Ursprung. Dieses christliche Lazarussyndrom leitete die totale Umkehrung der natürlichen Rangordnung der Werte ein. Denn es wurden damit jahrhundertelang beste Kräfte auf ein falsches unwirkliches Ziel gelenkt, das Unterste zuoberst gekehrt und so der Minusseele eine besondere Wucht verliehen. Unter dem Vorwand, oder sagen wir besser der Lüge, das wahre „ewige Leben“ liege in einem jenseitigen Irgendwo, zu dem der Glaube an einen antiken jüdischen Proletarierführer die Eintrittskarte liefere, wurde das faktische Leben verleumdet, entheiligt, beschmutzt und ihm so die tragende Grundlage entzogen.

Die theologische Dogmatik als solche verlor von Jahrhundert zu Jahrhundert immer mehr an Überzeugungskraft, das falsche christliche Welt- und Menschenbild aber blieb.


Der heute penetrante Farbigen-, Schwulen und Behindertenkult ist deshalb die logische unentrinnbare Folge des pervertierten christlichen Weltbildes, das lange als religiös besonders hochstehend galt, gerade weil es ursprünglich natürlichem Empfinden ins Gesicht schlägt. Richtig mag der Einwand sein, daß die Angst vor Höllenstrafe einerseits und die Hoffnung auf himmlische Belohnung andererseits lange eine Stütze für Selbstzucht und die Beherrschung des Trieblebens waren. Dabei darf aber nicht vergessen werden, welche enormen seelischen Verwerfungen und psychischen Schäden die „fromme“ Beargwöhnung des Sexuellen hervorgerufen hat. Als nun aber der Glaube an das gesamte Lehrgebäude christlicher Dogmatik allmählich und dann immer rascher zerbröckelte, kam umso verheerender die Spätfolge des kranken Welt- und Menschenbildes dieser Religion zum Durchbruch.

In diesem Zustand leben wir jetzt.


Vor 100 Jahren fand die Dekadenz ihre stärksten Wortführer noch bei Marxisten, Liberalisten und sogenannten Fortschrittlern jeglicher Färbung, die alle aus dem Geist eines profanisierten Christentums lebten, weil sie wie selbstverständlich von dessen weltbürgerlichem egalitären Menschenbild ausgingen.

Inzwischen aber haben längst die Kirchen selbst alle diese Fortschrittler links überholt und hecheln mit hängender Zunge dem politisch korrektesten Zeitgeist hinterher.

Falsche Einwände

Hier ist es notwendig, auf ein paar gängige Einwände zu erwidern. Es wird erklärt, die christliche Moral stehe im Gegensatz zum modernen Sittenzerfall, sie sei sogar das letzte Bollwerk gegen diesen.


Dem aber widerspricht allein schon der faktische Gang der Dinge. Wenn wir hier zunächst nur die deutsche Entwicklung betrachten, so ist dabei festzustellen, daß „das Christentum“ in all seinen Facetten, das heißt, mit all seinen Kirchen, Freikirchen, Sekten und sonstigen Denominationen sowohl im Kaiserreich wie in der Weimarer Republik , aber auch im 3. Reich – dies muß besonders betont werden – vollständig freie Bahn hatte. Seine Wirklichkeit wurde nirgends eingeschränkt. Einige neu heidnische Versuche vor und während der NS Zeit bleiben marginal. Nach 1945 genossen die Kirchen seitens der Besatzungsmächte – und dies ist bezeichnend – eine ausgesprochene Vorzugsstellung, auch in der nachmaligen „DDR“. Während alle nicht kirchlichen Stellen „gesäubert“, während Millionen Deutsche in die Internierungslager gesperrt wurden, blieben die Kirchenvertreter nicht nur gänzlich unbehelligt, sondern wurden von den Besatzern als selbstverständliche Bundesgenossen bei der nun einsetzenden „Umerziehung“ des deutschen Volkes betrachtet. Diese Umerziehung aber zielte auf die völlig geistige Kastrierung und seelische Wehrlosmachung der Besiegten ab, und in dieser Atmosphäre der Verketzerung, Dämonisierung und Zerknirschung eines großen Volkes, bei der eifrigen Züchtung von Schuld-, Buß- und Sünderkomplexen fühlte sich christliche Befindlichkeit ganz in ihrem Element.

Keine alliierte Lüge war zu widerlich, um nicht sofort von solchen Theologen genüßlich, jedoch mit salbungsvoller Miene aufgegriffen und so, in metaphysischen Schmus getaucht, dem bedauernswerten desorientierten Volk um die Ohren geschlagen zu werden. Der durchschlagende Erfolg der besatzungsfremden „Reeducation“ wäre ohne die liebevolle Unterstützung durch die Kirchen und „Geistliche“ niemals möglich gewesen.


Sittenzerfall

Und damit begann auch ein ungeahnter Sittenzerfall, und dieser setzte sich mit galoppierender Geschwindigkeit fort. Auch zu den größten Ungeheuerlichkeiten, die uns tagtäglich schockierten, schwiegen die Kirchen und leisteten keinerlei Widerstand, obwohl sie jede Möglichkeit dazu gehabt hätten, denn sie waren voll damit beschäftigt, Kot, Pech und Schwefel auf eine Vergangenheit zu werfen, die sich nicht mehr wehren konnte. Und so starrt uns ebenso in sämtlichen andern Ländern der vormaligen „Christenheit“ dasselbe verkommene Bild entgegen, gleich, ob wir die protestantischen Staaten Europas und in Übersee betrachten oder die Staaten in denen die Romkirche herrscht.
Dies ist nicht weiter verwunderlich, wenn wir das Wesen dieser Religion erkannt haben:
Sie lebt in erster Linie von Sündern, von Zerknirschten, von innerlich Gebrochenen und dann vor allem von Katastrophen sowie Mißständen jeder Art.

Sie widersetzt sich nicht dem Übel der Welt, sondern lebt von ihm.

In einer ganz und gar heilen und gesunden Welt verliert sie ihre Kundschaft, in ihr verblaßt das vorgegaukelte „Jenseits“ mit seinen Heerscharen schlaraffischer Schwächlinge ohne Kampf, Leid, Größe und Adel. In einer kranken, verzweifelten, verköterten Menschheit hingegen sieht sie ihre Wurzeln blühen.

Verbreitete Irrtümer

Wenn nun erklärt wird das Evangelium verurteile z. B. die Homosexualität schärfstens, es schlösse somit eine Homoehe aus, die zweifellos einen empörenden Tiefpunkt heutiger Dekadenz darstellt, so hält auch dies einer kritischen Prüfung nicht stand. Saulus-Paulus verurteile im Grunde jede Art von Geschlechtlichkeit, sie war für ihn nur Ausdruck sündigen Fleisches. Er sagt ausdrücklich, daß die von ihm praktizierte Ehelosigkeit und sexuelle Enthaltsamkeit besser sei als die normalste eheliche Gemeinschaft. Jedoch braucht auch ein Apostel Anhänger, auch eine Kirche kann nicht existieren ohne Nachwuchs. Nur die „normative Kraft des Faktischen“ hinderte den Oberapostel daran, gegen die naturgegebene Ehe genauso zu wettern wie gegen die Homosexualität und jede andere geschlechtliche Regung ebenso zu verdammen wie die perverseste. Gegen die Homosexualität konnte er Blitze schleudern, ohne Gefahr zu laufen, dadurch allzuviele Anhänger zu verlieren; bei sonstigen Erscheinungen des Geschlechtlichen mußte er vorsichtiger sein.


Die schmutzige Welt des Christentums

Für Saulus-Paulus war die gesamte Welt schmutzig, das ganze Leben sündig. Den Bios setzte er mit Materie und „Fleisch“ gleich. Worauf es ihm ankam, war allein eine jenseitige „geistige“ Welt.


Ein weiteres schweres Mißverständnis ergibt sich oft aus bestimmten Abläufen der neuzeitlichen Geschichte, in der eine weitgehende Säkularisierung vorher rein „christlicher“ Bereiche stattgefunden hat. Wir haben festgestellt, daß gerade die als modern und fortschrittlich hingestellten Ideologien nur verweltlichtes Christentum mit demselben egalitären Menschenbild beinhalten. Wie verträgt sich das mit der Tatsache, daß gerade diese Ideologien oft betont kirchenfeindlich waren – in der Gegenwart längst nicht mehr – (sic!) und daß vorallem in manchen kommunistischen Staatssystem die Kirchen und ihre Priester sogar verfolgt wurden? Indem die Moderne alle gewachsenen Bindungen, seien sie völkischer, familiärer oder heimatlicher Art, zugunsten eines hemmungslosen Egoismus und Hedonismus des Einzelnen auflösen wollte, sah sie zunächst in den traditionellen Volkskirchen ein Hindernis für ihre Bestrebungen. Nun ist aber gerade dieser Überindividualismus selbst eine Folge christlichen Denkens, das ganz auf die menschliche Einzelseele und ihre „Erlösung“ abgestellt ist. Nur schob die Moderne das „Glück“ dieser Einzelseele vom Jenseits wieder in das Diesseits zurück. An der allgemeinen Moralauffassung ändert sich nichts, genauer gesagt, daß überkommene Menschenbild blieb unangetastet.

Antiker Vorbolschewismuß

Die Idee des Marxismus zum Beispiel ist eine maßstabsgetreue Kopie neu testamentarischer Lehren, die „modern“ vom ersten in das 20. Jahrhundert übertragen wurden. Der Marxismus ist lediglich vom jenseitigem Flitter befreites Christentum. Daher ist die unbestreitbare innere Affinität zwischen diesen beiden Lehren weiter nicht erstaunlich. Die Erklärung, daß eher ein Kamel durch ein Nadelöhr komme als ein Reicher in das „Reich Gottes“, ist die Kundgabe eines antiken Marxistenführers.


Beiden Ideologien ist das Lazarussyndrom eigen.


Daher betrachtete etwa Lenin „die Armen“ stets als naturgegebene Verbündete seiner Sache. Für ihn waren die fähigsten Köpfe des alten Zarenregimes, die immerhin ein Großreich zusammengehalten hatten, wertlosen Ungeziefer, genau wie 1900 Jahre früher Paulus in den führenden Trägern der Weltmacht Rom Ausgeburten der Hölle sah – klassische Beispiele einer umgekehrten natürlichen Werteordnung als Sonderfall des Willens zur Macht. Mehr noch: Die jahrhundertelange christliche Berieselung macht die Gegner sowohl der französischen Revolution von 1789 wie auch die der bolschewistischen von 1917 von vornherein wehrlos oder hinderte sie zumindest beträchtlich. Sie waren innerlich verunsichert. Gleichermaßen waren sie sich z. B. die orthodoxen Priester selbst suspekt. Zwar wurden sie von den Bolschewisten verfolgt, häufig erschlagen, erschossen oder auf sonstige Weise liquidiert. Aber hatten sie, die Priester, nicht den „Mächtigen“ gedient, dem Zarenreich, den Fürsten, dem russischen Nationalismus und Imperalismus, also etwas „Bösem“?


Waren also nicht diese Bolschewiki im Grunde die besseren Christen, sie, die von der Erlösung der Armen, von sozialer Gerechtigkeit für die „ganze Menschheit“ redeten? Wie konnte da solch ein besorgtes Priesterherz noch unbefangen für deren Bekämpfung schlagen?

Verkehrte Sympathien des Christentums

Dasselbe wiederholte sich während des Spanischen Bürgerkriegs 1936-39. Auch dort wurden von den „Roten“, in den westlichen Medien betulich als Republikaner verniedlicht. Nonnen vergewaltigt und Priester erhängt. Aber die gesamte liberale und marxistische Welt stellte sich einhellig auf die Seite der Franco gegner. Der böse Feind war für den damaligen Zeitgeist ebenso wie heute die Falange, der Faschismus und natürlich der deutsche Nationalsozialismus. Andererseits brachte die Unterstützung Francos durch Hitler letzterem kaum irgendwelche kirchlichen Sympathien ein.


Die Urverwandschaft zwischen Kommunismus und Christentum

Die Auseinandersetzung zwischen Kommunismus und Christentum war dort, wo sie überhaupt stattfand, stets begleitet von dem Gefühl gegenseitiger Urverwandtschaft und daher frei von jedem Gift, das immer verspritzt wird, sobald es gegen den Faschismus oder „Nazismus“ geht. Christentum und Marxismus, das blieb fortdauernd „Don Camillo und Peppone“, wie ich in einer anderen Schrift gesagt habe. In Iberoamerika sind die Predigten sogenannter Arbeiter- oder Befreiungspriester von der plumpesten Agitation kommunistischer Funktionäre kaum zu unterscheiden. Überall dort aber, wo der Pöbel zur Herrschaft gelangt, wird es grausam, ungerecht, höllisch, und gerade zu diesem Ergebnis mußte eine Religion wie die christliche notwendigerweise führen. Der geborene Herr mag da und dort hart sein, aber sein Grundwesen ist fair, ritterlich und gerecht. Wo er verschwindet, wird es dunkel auf der Erde.


Abkehr von Christentum – Das Gebot der Stunde!

Wer also in der heutigen todgefährlichen Lage, in der sich die gesamte weißarische Menschheit befindet, irgendetwas Positives von der christlichen Religion erwartet, ist ein Traumtänzer. Er muß sich fragen lassen, in welcher Welt er eigentlich lebt; denn die Kirchen sind die eifrigsten Schleppenträger der Globallisten bei deren Versuch einer Allvermischung der Völker und der Zerstörung jeder gewachsenen Gemeinschaft.


Die Trennungslinie des 3. Jahrtausends

Wenn aber gar ein Nationalist dies nicht erkennt und meint, für christ-konservative Sirenenklänge, die in letzter Zeit häufiger zu vernehmen sind, ansprechbar zu sein, dann ist er ein kompletter Narr. Zumindest dies müßten wir aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts gelernt haben. Hier kann es für uns nur einen scharfen Trennstrich geben. Das Alte ist vergangen, die christliche Ära mit ihren „weltlichen“ Ablegern zu Ende. Als zukunftsträchtig wird sich allein die kreatistische Idee erweisen.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 23. August 2011 um 15:40 Uhr
 
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